Ein Jahr DSGVO: Das große Datenschutz-Paradoxon

Datenschutz – ein Thema, das vor allem im letzten Jahr für Furore sorgte, als die neue Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) gültig wurde. Kurz vor dem entscheidenden Stichtag im Mai machten sich bei vielen Unternehmen Ratlosigkeit und Panik breit. Geschuldet war dies zum einen den für viele nur schwer interpretierbaren Ausführungen der Verordnung, zum anderen aber der sicherlich oft verspäteten Reaktionen, obwohl das Paket bereits lange zuvor von der EU beschlossen worden war.

 

 

Selbst ein Jahr später sind nicht alle Fragezeichen über der DSGVO verschwunden. Während das von einigen Kritikern heraufbeschworene „Abmahn-Armageddon“ ausblieb, sind die langfristigen Folgen für Unternehmen noch immer nicht restlos geklärt.

Auf der anderen Seite, so könnte man meinen, sollte aber zumindest für Verbraucher die Situation klarer erscheinen, schließlich wurden deren Interessen bei der Verordnung klar in den Vordergrund gestellt. Nie zuvor mussten Unternehmen so transparent darlegen, welche Daten sie speichern und wie diese verarbeitet werden. Nicht nur ist jede gewerblich genutzte Website zu einer umfassenden Datenschutzerklärung verpflichtet, nein: Wer möchte, kann bei jedem Unternehmen jederzeit den gesamten Umfang der über ihn gespeicherten Daten anfragen und zur Löschung dieser auffordern.

Umso überraschender sind die Ergebnisse einer repräsentativen Umfrage, die content echo zusammen mit dem Marktforschungsinstitut Norstat durchgeführt hat: Trotz DSGVO glaubt ein Drittel der Bevölkerung, die Kontrolle über die eigenen Daten verloren zu haben! Und nur magere fünf Prozent sind sich sehr sicher zu wissen, welches Unternehmen Daten über sie gespeichert hat!

Was steckt hinter dieser massiven Verunsicherung?

Der von content echo veröffentlichte Bericht offenbart: Die Verbraucher selbst nehmen ihre neuen Rechte eher zurückhaltend in Gebrauch. Nur jeder Vierte befasst sich häufiger als gelegentlich mit Datenschutzerklärungen. Von der Möglichkeit zur Datenherausgabe machen gar nur fünfzehn Prozent der Bevölkerung Gebrauch, auch wenn ein größerer Teil das zumindest für die Zukunft in Erwägung zieht. 

Frappierend und geradezu paradox ist dazu die folgende Erkenntnis: Obwohl sich immerhin ein Drittel der Befragten vornehmen, künftig weniger Informationen mit Unternehmen zu teilen, ist ein signifikanter Teil der Bevölkerung damit einverstanden, intimste Daten mehr denn je zu preiszugeben, solange der Nutzen am Ende überwiegt.

Dies sind nur einige der Ergebnisse der Umfrage, die Unternehmen zum Nachdenken anregen sollten. Eine Sache erscheint indes klar: Wer bei Datenschutz und Transparenz weit vorne mitspielt, hat die Chance darauf, sich das Vertrauen der Nutzer und somit einen klaren Wettbewerbsvorteil zu erspielen. Gleichzeitig zeigt die Erhebung, dass Verbraucher unter den richtigen Voraussetzungen weiterhin bereit sind, ihre Daten zu teilen – ein Win-Win für alle, die sich jetzt strategisch richtig positionieren.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.